Raum und Ich

 

Aus diesem ersten Buch "Raum und Ich", 1934, 2.Auflage 1943 im Verlag Richard Oldenbourg in München, sind die folgenden Abschnitte dem Kapitel "Die Mathematik und das Schöne" entnommen worden. Zum ersten Mal wird hier die Verbindung von Mathematik und Kunst formuliert, die ihn zeitlebens zu immer neuen ästhetischen Forschungen veranlasst hat.

 

Das Schöne ist verzauberndes Sein und damit Schaffung der Entrückung bis zu jener Höhe oder Tiefe, die keine Verwandlung mehr zuläßt. Darum gibt es in jedem intensiven ästhetischen Erlebnis eine Art Erstarrung. Der entrückte Blick des Schauenden ist still und Schönheit, denn wir fühlen, wie alles Zeitliche, alles Bewußte, abgefallen ist. Erstarrung wird zur letzten Reife des Schönheitserlebnisses. Es stirbt immer etwas, wenn das Schöne erkannt wird. Daher ist tatsächlich im ästhetischen Erlebnis das vorhanden, was die Phänomenologen mit Fragilität oder Zerbrechlichkeit bezeichnen. Darin ist die Tatsache der Einmaligkeit und die der Unwiederbringlichkeit einbegriffen. ...

Das Wählen, der Akt der Wahl, gehört also unmitttelbar zum ästhetischen Erleben - des Genießenden und des Schaffenden. ...
Damit gerät aber etwas in dieses seltsame Phänomen, was nur selten bejaht wird. Nämlich der Zustand der Relativität. ...
Schönheit ist also notwendig relativ und subjektiv. Es gibt keine absolute Schönheit. Denn Schönheit ist ein Ergebnis der Wahl. Wahl aber ist wesenhaft subjektiv und relativ. Damit ist auch zugegeben, daß es kein vollkommenes Kunstwerk gibt. Jedes Kunstwerk ist vollkommen für den Genießenden und für den Erschaffer, wenn er dabei das ästhetische Erlebnis hat.

 

Der Eintrag im Tagebuch vom 31. Dezember 1934, nachdem sein erstes Buch "Raum und Ich" dem Verlag Luken & Luken in Berlin vorlag, zeugt von großem Selbstbewusstsein. Außerdem stellen die Wörter "Geist" und "Genuß" Schlüsselwörter dar, die auch in vielen späteren Publikationen auftreten:

Das Buch wird erscheinen! Hier wird ein großer Anfang liegen. Haufen von Ideen werden daraus entspringen. Es soll mein Quellwerk sein auf dem fröhlichen Weg eines geistigen-genießenden Wegs!